Demenzielle Erkrankungen haben für Pflegeversicherung hohe Bedeutung

Mit Einführung der Sozialen Pflegeversicherung im Jahr 1995 wurden mit dem damaligen Pflegebedürftigkeitsbegriff vor allem Versicherte erfasst, die körperliche Einschränkungen hatten. Kognitive und psychische Beeinträchtigungen führten nicht dazu, dass Leistungen aus der Pflegeversicherung bezogen werden konnten. Da die Anzahl der Versicherten mit einer demenziellen Veränderung immer weiter steigt und damit die Notwendigkeit einer Absicherung durch die Pflegeversicherung in diesem Bereich enorm gestiegen ist, hat der Gesetzgeber bereits mit den letzten Pflegereformen reagiert. Vor allem durch die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) werden bei der Beurteilung des Grades der Selbstständigkeit die kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen berücksichtigt und es wird nicht mehr vorrangig auf die körperlichen Beeinträchtigungen abgestellt.

Die Diagnose Demenz und die demenziellen Erkrankungen haben daher für die Soziale Pflegeversicherung eine hohe Bedeutung eingenommen, welche folgend näher beschrieben werden.

Diagnose Demenz

Bei der Diagnose „Demenz“ handelt es sich um eine lateinische Bezeichnung, welche übersetzt „ohne Geist“ bzw. „weg vom Geist“ bedeutet. Zumeist nimmt die Demenzerkrankung ihre Anfänge mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Im weiteren Verlauf ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Dies hat zur Folge, dass das Auffassungs- und Denkvermögen, die Aufmerksamkeit, die Sprache und die Orientierung immer mehr eingeschränkt werden und es beim Erkrankten zu einer Veränderung im Verhalten, in der Wahrnehmung und beim Erleben kommt.

Bei den Demenzerkrankungen wird zwischen der primären und der sekundären Form unterschieden. Die primären Demenzen machen mit etwa 90 Prozent den größten Anteil der Demenzerkrankungen aus und sind nicht heilbar (irreversibel bzw. nicht umkehrbar). Bei der sekundären Form der Demenzerkrankung handelt es sich um eine Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen, welche im Regelfall außerhalb des Gehirns angesiedelt sind. Hier kann es sich beispielsweise um Zustände mit Vitaminmangel, um Stoffwechselerkrankungen und Vergiftungserscheinungen durch Medikamente oder Alkohol handeln. Werden diese Grunderkrankungen, die für die sekundäre Demenz verantwortlich sind, rechtzeitig erkannt, können diese behandelt werden und sind teilweise sogar heilbar.

Unterscheidungen bei Demenz

Eine Demenzerkrankung kann als Alzheimer-Krankheit, als vaskuläre Demenz und als Mischform/Kombination von Alzheimer und vaskulärer Demenz auftreten. Oftmals wird eine Demenz mit der Alzheimer-Krankheit gleichgesetzt, was grundsätzlich nicht korrekt ist. Dies hängt jedoch damit zusammen, dass die Alzheimer-Krankheit bei den irreversiblen Demenzerkrankungen mit etwa 60 bis 65 Prozent den größten Anteil ausmacht.

Alzheimer-Krankheit

Bei der Alzheimer-Krankheit handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Bei dieser Krankheit werden nach und nach die Nervenzellen irreversibel zerstört.

Die Alzheimer-Krankheit beginnt meist harmlos und wird im Anfangsstadium fast gar nicht bemerkt. Im späteren Stadium werden die Symptome der Erkrankung deutlicher, wobei hier die Betroffenen bereits Hilfe von anderen Menschen benötigen. Eine Berufstätigkeit oder eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht mehr möglich.

Im Spätstadium der Erkrankung sind die Betroffenen komplett auf die Hilfe und Pflege durch andere Menschen angewiesen. Selbst nahe Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt und eine Kommunikation ist nahezu unmöglich.

Der Krankheitsverlauf beträgt insgesamt – von den ersten Symptomen bis zum Tod – etwa zehn Jahre.

Je älter die Menschen werden, desto größer ist das Risiko an einer Alzheimer-Erkrankung zu erkranken. Ab einem Alter von 85 Jahren erkranken etwa 20 Prozent der Menschen, ab einem Alter von 90 Jahren erkrankt ein Drittel an dieser Erkrankung. Bei der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen sind etwa „nur“ drei Prozent der Menschen betroffen, an der Alzheimer-Erkrankung zu erkranken.

Vaskuläre Demenz

Bei der vaskulären – bzw. gefäßbedingten – Demenz liegen Durchblutungsstörungen des Gehirns vor. Diese führen dazu, dass Nervengewebe abstirbt. Je stärker die Durchblutungsstörungen vorliegen, desto ausgeprägter ist die Demenz-Erkrankung.

Die sogenannte Multiinfarktdemenz ist eine besondere Art der vaskulären Demenz. Bei der Multiinfarktdemenz haben die Betroffenen mehrere kleine Schlaganfälle, welche für das Absterben von Hirnzellen verantwortlich sind.

Prävention/Behandlung von Demenz

Präventive Maßnahmen für den Eintritt einer Demenzerkrankung sind körperliche Bewegung, geistige Aktivität, gesellschaftliche Kontakte und gesunde Ernährung. Allerdings muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass die Ursachen – insbesondere der Alzheimer-Krankheit – nicht genügend bekannt sind, sich die genannten präventiven Maßnahmen allerdings aus entsprechenden Studien ableiten lassen.

Bei der vaskulären Demenz ist eine präventive Maßnahme – neben den o. g. Punkten – die Behandlung der zugrundeliegenden Grunderkrankung.

Leider gibt es aktuell noch keine Therapie, mit der eine Demenz geheilt werden kann. Daher wird durch den behandelnden Arzt das Ziel sein, durch die Behandlung die Lebensqualität des Erkrankten selbst und der Angehörigen zu verbessern bzw. das Fortschreiten der Symptome zu verzögern. Medikamentös können die Begleiterscheinungen der Erkrankung gelindert werden; zu den Begleiterscheinungen gehören beispielsweise Angst, Schlafstörungen, Unruhe und Sinnestäuschungen.

Mit Behandlungen wird oftmals auch versucht, dass die verbliebenen Restfähigkeiten trainiert werden und das Selbstwertgeführt gestärkt wird. Hier kommen insbesondere Bewegungs-, Sinnes- und Wahrnehmungsübungen zum Einsatz.

Indizien für eine Demenz-Erkrankung

Folgende Punkte können darauf hindeuten, dass eine Demenz-Erkrankung vorliegt:

  • Vergessen von Ereignissen, welche sich vor kurzer Zeit ereignet haben.
  • Orientierungsschwierigkeiten in einer fremden Umgebung.
  • Stimmungsschwankungen, welche in dieser Form bislang noch nicht vorhanden waren.
  • Anhaltende Ängstlichkeit.
  • Bei der Ausführung von gewohnten Tätigkeiten treten Schwierigkeiten auf.
  • Über finanzielle Angelegenheiten besteht kein Überblick mehr.
  • Interesse an sozialen Kontakten, Arbeit und Hobbys lässt nach.
  • Gefahren werden fehleingeschätzt.
  • Sprachstörungen treten auf.
  • Zunehmende „Zerstreutheit“ und Schusseligkeit.
  • Fehler, Verwechslungen und Irrtümer werden stur abgestritten.
  • Vergessen von häufigen bzw. grds. gängigen Geburtstagen und wichtigen Terminen.

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