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Entscheidungsgründe:

Die zulässige und statthafte Berufung der Klägerin ist zum Teil begründet. Die Beklagte ist verpflichtet, die in Polen zurückgelegten Beschäftigungszeiten der Klägerin vom 01.05.1972 bis zum 25.06.1984 ebenso wie die bereits nachfolgend ab dem 26.06.1984 in Polen zurückgelegten Zeiten der Klägerin der Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI zuzuordnen und die Rente der Klägerin unter Berücksichtigung dieser Vorgabe neu zu berechnen. Das Urteil des Sozialgerichts Frankfurt am Main vom 26. August 2008 war aufzuheben, da die Klägerin Anspruch auf höhere Berechnung ihrer Altersrente hat. Die Zeiten vor dem 01.05.1972 sind von der Beklagten jedoch zutreffend der Qualifikationsgruppe 2 der Anlage 13 zum SGB VI zugeordnet worden, weil die Klägerin weder eine entsprechende Qualifikation aufgewiesen noch durch langjährige Berufserfahrung erworben hat; weder das Urteil des Sozialgerichts Frankfurt am Main vom 26. August 2008 noch die angefochtenen Bescheide der Beklagten erweisen sich für die Zeiten vor dem 01.05.1972 als rechtswidrig, so dass die Klägerin insoweit nicht in ihren Rechten verletzt ist.

Ursprüngliches Klagebegehren der Klägerin war im Rahmen von § 44 Abs. 1, Abs. 2 Sozialgesetzbuch (SGB) X die Aufhebung des Überprüfungsbescheides der Beklagten vom 11.03.2003 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 14.07.2003, mit dem die Beklagte es abgelehnt hatte, ihre zuvor ergangenen Feststellungsbescheide vom 29.06.2001 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 30.10.2001, vom 21.01.2002 und vom 13.03.2002 teilweise zurückzunehmen und der Klägerin – in begehrtem Ausmaß – die Zuordnung in die Qualifikationsgruppe 1 zu gewähren. Nach Klageerhebung vor dem Sozialgericht Frankfurt am Main am 05.08.2003 hat die Beklagte mittlerweile der Klägerin mit Bescheiden vom 28.03.2007 und 17.07.2007 ab dem 01.03.2007 Altersrente für Frauen bewilligt. Diese Bescheide sind gemäß § 96 Sozialgerichtsgesetz (SGG) zum Gegenstand des Rechtsstreits geworden und haben in Ansehung von § 149 Abs. 5 Satz 3 SGB VI, nach dem über die Anrechnung und Bewertung der im Versicherungsverlauf enthaltenen Daten erst bei Feststellung einer Leistung entschieden wird, die zuvor ergangenen Feststellungsbescheide der Beklagten vom 29.06.2001, 21.01.2001 und 13.03.2002 ersetzt. Denn die Rentenbewilligungsbescheide vom 28.03.2007 und 17.07.2007 stehen aufgrund desselben Sachverhaltes mit demselben Ziel der Zuordnung der Beitrags- und Beschäftigungszeiten in die Qualifikationsgruppe 1 im Streit. Die feststellenden Verwaltungsakte der Beklagten, stellen nach bindender Zuerkennung der Altersrente für Frauen hingegen den Klagegegenstand nicht mehr dar. Im Übrigen ist daher der von der Klägerin im Klageverfahren und auf eine höhere Leistung gerichtete Sachantrag von der ursprünglich erhobenen Anfechtungs- und Verpflichtungsklage (§ 54 Abs. 1, Abs. 2 SGG) nach Erlass der Rentenbewilligungsbescheide auf eine in Kombination erhobene Anfechtungs- und Leistungsklagen (§ 54 Abs. 4 SGG) umgestellt (§ 54 Abs. 4 SGG) (vgl. insoweit Bundessozialgericht, Urteil vom 14.05.2003, Az.: B 4 RA 26/02 R, zitiert nach juris, Rdnr. 17 ff.).

In der Sache selbst hat die Klägerin Anspruch auf Neufeststellung ihrer ab dem 01.03.2007 bewilligten Altersrente für Frauen unter Zugrundelegung der Beitrags- und Beschäftigungszeiten in Polen vom 01.05.1972 bis zum 25.06.1984 in die Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI. Für die Zeiten vor dem 01.05.1972 hat das Sozialgericht Frankfurt am Main zutreffend mit dem angefochtenen Urteil vom 26.08.2008 entschieden, dass eine Eingruppierung der zurückgelegten Beitrags- und Beschäftigungszeiten in die Qualifikationsgruppe 2 durch die Beklagte rechtmäßig gewesen ist. Insoweit ist die Klägerin in ihren Rechten nicht verletzt.

Die von der Klägerin in Polen zurückgelegten Beitragszeiten sind in Anwendung des Fremdrentengesetzes (FRG) und des Fremdrenten- und Auslandsrenten-Neuregelungsgesetzes (FANG) zu berücksichtigen. Durch das FRG werden bestimmte außerhalb des alten Bundesgebietes einschließlich Berlin (West) zurückgelegte Beitrags- und Beschäftigungszeiten den nach Reichsrecht oder Bundesrecht zurückgelegten Beitragszeiten gleichgestellt mit dem Ziel, die durch Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen außerhalb des Bundesgebietes einschließlich Berlin (West) in ihrer rentenrechtlichen Absicherung betroffenen Personen so zu stellen, als ob sie ihr Arbeitsleben und damit auch ihr Rentenversicherungsleben in der Bundesrepublik Deutschland verbracht hätten. Dementsprechend bestimmt § 15 Abs. 1 FRG, dass die bei einem nichtdeutschen Träger der gesetzlichen Rentenversicherungen zurückgelegten Beitragszeiten bei dem fremdrentenberechtigten Personenkreis so behandelt werden, als ob es sich um inländische Beitragszeiten handeln würde. Der von dieser Vorschrift erfasste Personenkreis soll nach dem Willen des Gesetzgebers in der Rentenversicherung so gestellt werden, wie ein nach Ausbildung und ausgeübtem Beruf vergleichbarer Versicherter, der die Beitragszeiten tatsächlich im Bundesgebiet zurückgelegt hat (sog. Eingliederungsprinzip; vgl. dazu BSG vom 4. Juni 1986, GS 1/85 = SozR 5050 § 15 FRG Nr. 32 und BSG vom 25. November 1987, GS 2/85 = SozR 5050 § 15 FRG Nr. 35). Die Abgeltung derartiger Fremdrentenzeiten in der bundesdeutschen gesetzlichen Rentenversicherung erfolgt nicht nach der Höhe des erzielten Lohnes oder Gehaltes. Bei der Ermittlung der persönlichen Rentenbemessungsgrundlage für Fremdrentenzeiten wird nicht auf den wirklichen Arbeitsverdienst im Herkunftsland, sondern auf den Durchschnittsverdienst der gleichen Berufsgruppe im Reichs- oder Bundesgebiet abgestellt. Die jeweilige Festlegung der für den einzelnen Versicherten im Rahmen der Rentenberechnung maßgebenden Beitragswerte bzw. Entgeltpunkte erfolgt gemäß § 22 FRG im Rahmen von Verdienstgruppen (Leistungsgruppen bzw. Qualifikationsgruppen), deren Gliederung sich an Durchschnittswerten orientiert und aus der Amtlichen Verdienststatistik des Statistischen Bundesamtes übernommen worden ist. Für die Fremdrentenzeiten ist die für glaubhaft gemachte DDR-Beitragszeiten konzipierte Bewertung auf das Fremdrentenrecht übertragen worden. Die Vorschrift des § 22 FRG verweist insoweit auf § 256 b SGB VI, wonach die Ermittlung der maßgeblichen Entgeltpunkte anhand von Tabellenwerten erfolgt, die sich nach Einstufung in eine Qualifikationsgruppe der Anlage 13 zum SGB VI und nach Zuordnung zu einem (Wirtschafts-) Bereich der Anlage 14 zum SGB VI ergeben (Hessisches LSG, Urteil vom 23. Mai 2003, Az.: L 13 RJ 1086/00, juris, Rn. 27 f).

Die Anlage 13 zum SGB VI enthält zwei Rechtsnormen im Sinne eines Grundtatbestandes und eines Ergänzungstatbestandes für ein Tatbestandsmerkmal des § 256b Abs. 1 SGB VI. Sie enthält zwei vorangestellte Sätze und daran anschließend fünf Qualifikationsgruppen. Die folgenden fünf Qualifikationsgruppen enthalten zwar Tatbestandsmerkmale, ordnen diesen aber keine Rechtsfolge zu. Sie umschreiben allgemein, welche tatsächlichen Merkmale kennzeichnend für die jeweilige Gruppe sind, d. h. nach welchen tatsächlichen Kriterien diese gebildet worden sind. Relevanz gewinnen die Gruppenumschreibungen erst durch ihre Einordnung als Bestandteile des Tatbestandes des Satzes 1. Hierzu regelt Satz 2 der Anlage ergänzend, dass eine höhere Qualifikationsgruppe als die nach Satz 1 gegebene maßgeblich ist, wenn Versicherte aufgrund langjähriger Berufserfahrung höhere Fähigkeiten erworben und gemäß Satz 1 – diese höherwertigen Tätigkeiten auch ausgeübt haben. Satz 2 ist also ein Ergänzungstatbestand zum Grundtatbestand (Bundessozialgericht, Urteil vom 14.05.2003, Az.: B 4 RA 26/02 R, zitiert nach juris, Rdnr. 32 ff.).

Die (höchste) Qualifikationsgruppe 1 ist vorgesehen für Hochschulabsolventen, d.h. für

  1. Personen, die in Form eines Direkt-, Fern-, Abend- oder externen Studiums an einer Universität, Hochschule, Ingenieurhochschule, Akademie oder an einem Institut mit Hochschulcharakter ein Diplom erworben oder ein Staatsexamen abgelegt haben,
  2. Personen, denen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder wissenschaftlicher Leistungen ein wissenschaftlicher Grad oder Titel zuerkannt worden ist (z. B. Attestation im Bereich Volksbildung, Dr. h. c., Professor),
  3. Inhaber gleichwertiger Abschlusszeugnisse staatlich anerkannter höherer Schulen und Universitäten.

Hierzu zählen nicht Teilnehmer an einem verkürzten Sonderstudium (z. B. Teilstudium), das nicht mit dem Erwerb eines Diploms oder Staatsexamens abschloss. In die Qualifikationsgruppe 2 sind einzustufen Fachschulabsolventen, d.h.

  1. Personen, die an einer Ingenieur- oder Fachschule in einer beliebigen Studienform oder extern den Fachschulabschluss entsprechend den geltenden Rechtsvorschriften erworben haben und denen eine Berufsbezeichnung der Fachschulausbildung erteilt worden ist,
  2. Personen, denen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen im Beitrittsgebiet der Fachschulabschluss bzw. eine Berufsbezeichnung der Fachschulausbildung zuerkannt worden ist,
  3. Personen, die an staatlich anerkannten mittleren und höheren Fachschulen außerhalb des Beitrittsgebiets eine Ausbildung abgeschlossen haben, die der Anforderung des Fachschulabschlusses im Beitrittsgebiet entsprach, und ein entsprechendes Zeugnis besitzen,
  4. Technische Fachkräfte, die berechtigt die Berufsbezeichnung "Techniker" führten, sowie Fachkräfte, die berechtigt eine dem "Techniker" gleichwertige Berufsbezeichnung entsprechend der Systematik der Berufe im Beitrittsgebiet (z.B. Topograph, Grubensteiger) führten.

Hierzu zählen nicht Teilnehmer an einem Fachschulstudium, das nicht zum Fachschulabschluss führte, und Meister, auch wenn die Ausbildung an einer Ingenieur- oder Fachschule erfolgte.

Fremdrentenzeiten müssen hiernach unter die konkreten Tatbestandsmerkmale der Qualifikationsgruppen, die dem System der beruflichen Bildung der DDR entnommen sind und die in dieser Form in den verschiedenen FRG-Herkunftsgebieten nicht (immer) anzutreffen sind, subsumiert werden. Es müssen also die Merkmale der Qualifikationsgruppen sinngemäß und vor allem sinnvoll auf die Verhältnisse in den Herkunftsländern der Fremdrentenberechtigten übertragen werden, wobei für die Bestimmung der Qualifikationsgruppe jeweils im Einzelfall zu fragen ist, welcher DDR-Qualifikation die im Herkunftsgebiet erworbene Qualifikation entsprochen hat. Das ergibt sich für die Qualifikationsgruppen 1 und 2 ausdrücklich aus der jeweils unter der Ziffer 3 getroffenen Regelung zur Behandlung fremder Berufsqualifikationen. Danach ist eine Einstufung in diese Qualifikationsgruppen vorzunehmen, wenn die fremden Ausbildungsabschlüsse den DDR-Abschlüssen "gleichwertig" waren bzw. "den Anforderungen im Beitrittsgebiet entsprachen". Es ist demgemäß generell erforderlich, die fremden Berufsqualifikationen und ihr Niveau festzustellen, um sie dann mit den DDR-Qualifikationen vergleichen zu können, wobei ein derartiger Vergleich vielfach dadurch erleichtert wird, dass die Systeme der Berufsbildung in der DDR und in den FRG-Herkunftsgebieten in weiten Bereichen vergleichbare Grundzüge aufwiesen (vgl. im Übrigen Müller, Die Qual mit den Qualifikationsgruppen, in DAngVers. 1995, 354 ff mit Darstellung der länderspezifischen Gesichtspunkte; Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 23.5.2003, L 13 RJ 1086/00, juris, Rn. 49).

Die Hochschulbildung in Polen war grundsätzlich zweigeteilt, wobei unterschieden wurde zwischen einem stark praxisorientierten Berufsstudium und einem wissenschaftlichen Magisterstudium. Das Berufsstudium wurde im Laufe der Zeit immer häufiger - seit 1975 fast ausschließlich - als Abend- oder Fernstudium betrieben, wofür in Polen der Begriff "Berufstätigenstudium" geprägt wurde. Das im Vergleich zum Berufsstudium stärker wissenschaftlich orientierte Magisterstudium baute zunächst auf dem abgeschlossenen Berufsstudium (Studium 1. Stufe) auf und wurde dementsprechend als Studium 2. Stufe bezeichnet. Ab 1952 begann der Abbau der Zweistufigkeit; auch in allen anderen Fachrichtungen konnte nun ein Magisterstudium ohne vorangegangenes Berufsstudium aufgenommen werden. Auch das Magisterstudium konnte in Form eines Berufstätigenstudiums, also als Abend- oder Fernstudium, betrieben werden (Müller, a.a.O., S. 356). Nach Ziffer 3 der Definition der Qualifikationsgruppe 1 gehören Inhaber ausländischer Abschlusszeugnisse staatlich anerkannter höherer Schulen und Universitäten zu den Hochschulabsolventen, wenn die Abschlusszeugnisse einem DDR-Hochschulabschluss gleichwertig sind. Die Zweiteilung des Hochschulsystems in Polen war dem DDR-System zwar fremd, doch machte das zwischen Polen und der DDR vereinbarte Äquivalenz-Abkommen vom 24.2.1977 insoweit keine Unterschiede - hiernach wurde sowohl das polnische Berufsstudium als auch das polnische Magisterstudium einem Hochschulabschluss in der DDR als gleichwertig angesehen (Müller, a.a.O., S. 363).

Hiervon zu unterscheiden war die mittlere Berufsbildung in Polen. Diese Ausbildung erfolgte an Berufslyzeen bzw. beruflichen Lyzeen, z. B. Pädagogisches Lyzeum, Medizinisches Lyzeum. Sie dauerte vier Jahre und baute auf dem Abschluss der siebenklassigen Grundschule auf. Die Berufslyzeen bildeten mittleres Personal für alle Bereiche aus (Industrie, Landwirtschaft, Handel, Verwaltung, Transportwesen, Gesundheitswesen, Bildung, Kunst); die Bezeichnung Berufslyzeum blieb zuletzt nur in einigen Fachbereichen erhalten, wie z. B. für das Pädagogische Lyzeum. Eine Sonderform dieser Berufslyzeen betraf Absolventen des allgemeinbildenden Lyzeums, die kein Hochschulstudium aufnahmen. Hierzu gehörten u. a. die Lehrerbildungsanstalt und die Bildungsanstalt für Primarstufenunterricht. Diese anfangs nur als Ergänzung des "normalen" Ausbildungsweges gedachte Form entwickelte sich im Laufe der Zeit für einige Berufe (z. B. für Hebammen oder Grundschullehrer) zum allein möglichen Ausbildungsweg (Müller, a.a.O., S. 357).

Ausgehend von diesen Vorgaben erfüllt die Klägerin für die zurückgelegten Beitrags- und Beschäftigungszeiten vor dem 26.06.1984 nicht die Voraussetzungen der Qualifikationsgruppe 1 zu Ziffer 3. Denn die Klägerin hat vor dem 25.06.1984 einen der Hochschulausbildung in der DDR nach der Qualifikationsgruppe 1 zu Ziffer 1 oder 2 entsprechenden gleichwertigen Hochschulabschluss im Sinne von Ziffer 3 der Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI nicht erworben. Vor ihrem Magister-Abschluss des Fernstudiums an der Fakultät Erdwissenschaften an der Schlesischen Universität in D. vom 26.11.1984, der ihr mit Wirkung zum 25. Juni 1984 verliehen worden ist, hat sie in Form eines Direkt-, Fern-, Abend- oder externen Studiums an einer Universität, Hochschule, Ingenieurhochschule, Akademie oder an einem Institut mit Hochschulcharakter weder ein Diplom erworben noch ein Staatsexamen abgelegt, wie es die Qualifikationsgruppe 1 in ihrer Ziffer 1 verlangt. Die Berufsausbildung der Klägerin zur Lehrerin in den 1960er-Jahren ist einem solchen Abschluss nicht gleichwertig im Sinne der Ziffer 3 zu Qualifikationsgruppe 1. Denn für die Zuordnung zu den Qualifikationsgruppen kommt es auf den tatsächlich oder gleichwertig zuerkannten Ausbildungsabschluss an (vgl. Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 23.05.2003, Az.: L 13 RJ 1086/00, juris, Rdnr. 50), den die Klägerin vor dem benannten Zeitpunkt nicht aufweist. Hierbei ist von der Berufsqualifikation auszugehen, die die Klägerin in Polen nach dem dortigen Berufsbildungssystem tatsächlich erworben hat. Im Polen wurde zwischen einem stark praxisorientierten Berufsstudium und dem wissenschaftlichen Magisterstudium unterschieden; beide konnten an allen Hochschuleinrichtungen durchgeführt werden und führen zur Eingruppierung in die Qualifikationsgruppe 1, da nach dem zwischen der DDR und Polen geschlossenen Äquivalenzabkommen beide Studienformen in der DDR der dortigen Hochschulausbildung gleichgestellt waren. Jedoch hat die Klägerin weder ein Berufsstudium noch ein Magisterstudium vor dem Jahre 1984 erfolgreich absolviert, denn mit ihrer Berufsausbildung zur Lehrerin war die Klägerin nicht Teilnehmerin des zweigeteilten polnischen Hochschulbildungssystems. Ihre Ausbildung in der Lehrerbildungsanstalt erfolgte vielmehr in einer Einrichtung zum Erwerb einer mittleren Berufsbildung, zu der die Lehrerbildungsanstalt und die Bildungsanstalt für den Primärunterricht rechneten (vgl. Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 17.06.2003, Az.: L 2 RJ 457/02, zitiert nach Juris, Rdnr. 34). Wie vom Sozialgericht Frankfurt zutreffend ausgeführt und vom Hessischen Landessozialgericht im Urteil vom 17.06.2003 (Az.: L 2 RJ 457/02, zitiert nach Juris) nach den dortigen Ermittlungen festgestellt, wurde die Lehrerausbildung in Polen zu Beginn der 1970er Jahre auf Hochschulniveau angehoben. Auch bereits ohne Hochschulqualifikation im Schuldienst tätige Lehrkräfte sollten nachträglich eine Hochschulqualifikation erlangen. So konnten sich auch ältere Lehrkräfte nach einer bestimmten Vorbereitungszeit dem Examen zur Erlangung von gleichwertigen Qualifikationen einem Berufsstudium für Lehrer unterziehen. Das erfolgreiche Bestehen des Examens führte zur rechtlichen Gleichstellung mit den Absolventen eines 3-jährigen Berufshochschulstudiums für Lehrer in Polen. Vor Verleihung ihres Magister-Abschlusses mit Wirkung ab 25.06.1984 weist die Klägerin jedoch weder einen solch gleichzustellenden Hochschulabschluss auf, weil sie eine hierfür erforderliche Hochschulausbildung nicht absolviert hat, noch ist ihr nach Ziffer 2 der Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder wissenschaftlicher Leistungen ein wissenschaftlicher Grad oder Titel zuerkannt worden.

Das Reifezeugnis des pädagogischen Lyzeums in C. vom 04.06.1962, das Abschluss-Diplom der Lehrerbildungsanstalt vom 27.07.1965 und das Qualifizierungsdiplom des Lehrers vom 18. Mai 1967 verleihen offenkundig keinen akademischen Abschluss im Sinne einer Hochschulausbildung, wie ihn die Klägerin erst im Jahre 1984 tatsächlich mit dem Magisterabschluss erworben hat. Gleiches gilt für die Diensttitelverleihung als diplomierte Lehrerin durch die Stadtverwaltung vom 02.02.1975 mit Wirkung ab dem 01.05.1972. Die Diensttitelverleihung als diplomierte Lehrerin gestattete der Klägerin lediglich, weiterhin als Lehrerin mit dem von ihr erworbenen mittleren Berufsbildungsabschluss tätig sein zu können; eine Verleihung eines akademischen Abschlusses ohne Durchlaufen einer hierfür erforderlichen höheren Hochschulbildung war damit nicht verbunden. Wie sich aus den vorgelegten Urkunden, aber auch aus dem eigenen Vortrag der Klägerin ergibt, war die Klägerin damit Absolventin des mittleren Bildungsweges in Polen, der allein die Anforderungen der Qualifikationsgruppe 2 zu Ziffer 3, nicht jedoch die Voraussetzungen der Qualifikationsgruppe 1 Ziffer 3 im Sinne des Satzes 1 der Anlage 13 zum SGB VI erfüllt. Dass die Klägerin aufgrund des Diplomes der Lehrerbildungsanstalt ebenso wie Absolventen eines Hochschulstudiums berechtigt gewesen ist, an Volksschulen zu unterrichten, wie es ihr vom Kuratorium für Bildung in D. am 11.1.2010 bescheinigt worden ist, bedeutet nicht, dass sie die gleiche Qualifikation wie eine Hochschulabsolventin aufwies.

Mithin kommt eine frühere Zuordnung zur Qualifikationsgruppe 1 nur noch nach Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI in Betracht, wenn die Klägerin aufgrund langjähriger Berufserfahrung bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Qualifikation erlangt hätte, die der Qualifikationsgruppe 1 entspricht. Versicherte, die aufgrund langjähriger Berufserfahrung Fähigkeiten erworben haben, die üblicherweise denen von Versicherten einer höheren Qualifikationsgruppe entsprechen, sind in dieser Qualifikationsgruppe eingestuft. Der Ergänzungstatbestand des Satzes 2 der Anlage 13 zum SGB VI berücksichtigt, dass eine Einstufung in eine höhere Gruppe, nämlich in eine Gruppe oberhalb der 5. Qualifikationsgruppe, nach Satz 1 grundsätzlich nur erfolgt, wenn der jeweilige Ausbildungsgang erfolgreich absolviert und der erfolgreiche Abschluss in einem staatlichen (Zuerkennungs-) Akt dokumentiert worden ist (wie im Falle der Klägerin mit der Verleihung des Magisterabschlusses durch die schlesische Universität in D. am 25.06.1984). Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI begründet darüber hinaus die Einstufung in eine höhere Qualifikationsgruppe dann, wenn die in der jeweiligen Gruppe umschriebenen formalen Kriterien nicht erfüllt sind. Er ersetzt damit die Qualifikationsmerkmale der Absolvierung eines formalen Ausbildungsganges mit formalem Abschluss durch das Qualifikationsmerkmal der Fähigkeiten, die üblicherweise denen von Versicherten einer höheren Qualifikationsgruppe entsprechen, falls diese aufgrund langjähriger Berufserfahrung erworben worden sind. Die höhere Qualifikationsgruppe ist also in diesen Fällen noch ohne die in den Definitionen der Qualifikationsgruppen für die jeweilige höhere Gruppe genannten formellen Voraussetzungen (Ausbildungswege und -Stellen, Abschlussprüfungen, Zertifikate etc.) maßgeblich (Bundessozialgericht, Urteil vom 14.05.2003, Az.: B 4 RA 26/02 R, zitiert nach Juris, RdNr. 44). Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI stellt auf die Fähigkeiten ab, die für die jeweilige höhere Gruppe erforderlich sind. Sie müssen durch langjährige Berufserfahrung in dem höherwertigen Beruf erworben worden sein, und setzen also eine Ausübung des höherwertigen Berufs während eines Zeitraumes voraus, der ausreicht, um die mangels formeller Ausbildung erforderlichen theoretischen und praktischen Befähigungen für eine vollwertige Berufsausübung zu vermitteln. Hierfür kommt es auf den jeweiligen ausgeübten Beruf an. Schon die in der Anlage 1 ff. zum FRG in der alten Fassung ausgestalteten Leistungsgruppen erlaubten eine Zuordnung allein aufgrund langjähriger Berufserfahrung ohne entsprechende qualifizierte Ausbildung. Nach der hierzu ergangenen höchstrichterlichen Rechtsprechung mussten die jeweiligen beruflichen Tätigkeiten mindestens für eine Dauer verrichtet worden sein, die der formalen Berufsausbildung entsprach (BSG a.a.O., juris, RdNr. 47; Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 23.05.2003, Az.: L 13 RJ 1086/00, Juris, RdNr. 54 ff.). Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI selbst orientiert sich an diesen höchstrichterliche entwickelten Kriterien, die bei der Feststellung zugrunde zu legen sind, ob die vorhandenen und betätigten Fähigkeiten zur vollwertigen Ausübung eines höherwertigen Berufs aufgrund langjähriger Berufserfahrung erworben wurden. Dies bedeutet im vorliegenden Falle übertragen auf die Klägerin, dass zu entscheiden ist, ob die Klägerin bereits zu einem früheren Zeitpunkt als mit der Erlangung des Abschlusses des Magisterfernstudiums an der schlesischen Universität in D. im Jahre 1984 aufgrund langjähriger Berufserfahrung bereits die erforderlichen Fähigkeiten, die von einem Hochschulabsolventen zu erwarten sind, aufgewiesen hat.

Was unter dem unbestimmten Rechtsbegriff "langjähriger Berufserfahrung" zu verstehen ist, hat der Gesetzgeber zwar nicht weiter ausgeführt. Es lässt sich jedoch aus der Gesetzessystematik ableiten, dass für die Ausfüllung des Begriffs "langjährige Berufserfahrung" kein Rückgriff auf das Recht des Beitrittsgebietes vorgeschrieben ist, denn dies hätte der Gesetzgeber - wie beispielsweise im Text der Qualifikationsgruppe 4 - auch entsprechend (mit einem Hinweis auf die gesetzlichen Bestimmungen im Beitrittsgebiet) zum Ausdruck gebracht. Vielmehr bedarf die Ausfüllung dieses Merkmals nach der gesetzgeberischen Konzeption einer eigenständigen Wertung (Hessisches Landessozialgericht, a.a.O., juris, RdNr. 54). Im Falle der Klägerin erwächst hierbei der Diensttitelverleihung durch die Stadtverwaltung vom 02.02.1975 über den Titel der "Diplomierten Lehrerin" ab dem 1. Mai 1972 eine besondere Bedeutung. Hierbei legt der Senat auch die Bescheinigung des Kuratoriums für Bildung in D. vom 11.01.2010 zugrunde, nach welcher der Klägerin - auf der Grundlage des polnischen Gesetzes vom 27.04.1972, mit dem die Qualifikationen der Lehrer mit Wirkung ab dem 01.05.1972 festgelegt worden sind - rückwirkend ab dem 1. Mai 1972 unter Bezugnahme auf Art. 109 und 112 Abs. 1 des benannten Gesetzes vom 27.4.1972 ("Charta für Rechte und Pflichten der Lehrer") bestätigt worden ist, dass die Klägerin zum 1. Mai 1972 auf Dauer als Lehrerin ernannt worden ist. In Anbetracht der Umstrukturierung des polnischen Lehrer-Ausbildungs-Wesens Anfang der 1970iger Jahre ist mit der dauerhaften Ernennung der Klägerin als Lehrerin für den Senat zur Überzeugung in Ansehung auch der Bescheinigung des Kuratoriums für Bildung in D. vom 11.01.2010 erwiesen, dass die Klägerin nach diesem Termin am 1. Mai 1972 auf Dauer hinsichtlich ihrer Qualifikation als Lehrerin anerkannt worden ist. Dies enthält gleichzeitig die Zuerkennung, dass die Klägerin aufgrund ihrer vorgeleisteten Lehrertätigkeit nunmehr über die entsprechende Qualifikation verfügt. Da die Klägerin während ihres gesamten Berufslebens als Lehrerin tätig gewesen ist und der am 25.06.1984 im Fernstudium erlangte Studienabschluss eines Magisters an der schlesischen Universität in D. an Art, Inhalt und Umfang ihrer Tätigkeit letztlich nichts geändert hat, erscheint es unter Berücksichtigung der Änderungen im polnischen Schulwesen Anfang der 1970-er Jahre geboten, der Klägerin ab Zuerkennung der Diensttitelverleihung als diplomierte Lehrerin auf Dauer ab dem 1. Mai 1972 die entsprechende von Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI geforderte langjährige Berufserfahrung zuzuerkennen. Hierfür spricht im Übrigen auch, dass die Klägerin bis zum Mai 1972 seit Erlangung ihres Abschlussdiploms der Lehrerbildungsanstalt vom 27.07.1965 sieben Jahre als Lehrerin tätig gewesen ist, was die langjährige Berufserfahrung nach Satz 2 der Anlage 13 zum SGB VI unterstreicht. In Ansehung der üblichen Dauer des Hochschulstudiums auch in Polen ist unter Berücksichtigung des besonderen Qualifizierungsgrades im Rahmen der Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI somit von einer langjährigen Berufserfahrung nach Absolvierung einer 7-jährigen Lehrertätigkeit auszugehen.

Vor dem 1. Mai 1972 liegen hingegen – wie ausgeführt – die Voraussetzungen für die Eingruppierung in die Qualifikationsgruppe 1 der Anlage 13 zum SGB VI nicht vor. Anzumerken ist, dass in der Bescheinigung des Kuratoriums für Bildung in D. vom 11.01.2010 unter Ziffer II fälschlich ausgeführt wird, dass der Klägerin bereits mit dem Beschluss der Stadtverwaltung von 18.05.1967 der Diensttitel Diplomlehrer auf der Grundlage des bereits gelernten Gesetzes vom 27.04.1972 (Art. 109 Abs. 1) verliehen worden sei; zutreffend ist vielmehr, dass diese Diensttitelverleihung als diplomierte Lehrerin durch die Stadtverwaltung aufgrund des benannten Gesetzes erst am 02.02.1975 erfolgte, dies allerdings rückwirkend zum 01.05.1972.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 SGG.

Die Revision war nicht zuzulassen, weil Revisionszulassungsgründe im Sinne von § 160 Abs. 2 SGG nicht vorliegen.

Die Veröffentlichung des Urteils erfolgt nach ausdrücklicher Genehmigung durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main. Eine Nutzung dieses Urteils von Sozialversicherung-kompetent.de zur gewerblichen Nutzung ist untersagt.

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